Es erschien ein ein sehr  interessanter Artikel von Helmut Lorscheid
(Email: HLorscheid@web.de)
in der aktuellen ATELIER Zeitschrift zur Situation der Berliner Ateliers.
Hier als PDF >
-Veröffentlichung mit Genehmigung des Verlags und Verfassers-

www.atelier-verlag.de
www.kunstart.info

Am 8. März hatte ja die BVV das Bezirksamt aufgefordert, das „erfolgreiche Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum (UCW) auf Dauer im Bezirk zu erhalten“ und dafür die mögliche Finanzierung am Standort Sigmaringer Straße 1 zu klären – unter Berücksichtigung der Mitnutzung durch die Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek und das Atelierhaus.

Der Zwischenbericht des Bezirksamtes an die BVV im Juni 2012 findet sich hier.  Es ist also noch alles offen. Deshalb auch unser Brief, den ich eben veröffentlicht habe (siehe Blog-Artikel vor diesem).

 

Letzte Woche haben wir folgenden Brief an die BVV geschrieben. Dokumentation des Textes:

Betreff: UCW: BVV-Beschluss, Verhandlungen mit der Weiberwirtschaft e.G. aufzunehmen
Unternehmerinnen im UCW
c/o Mieterinnenvertretung
Barbara Brecht – Hadraschek
Sigmaringer Str. 1
10713 Berlin
info@unternehmerinnen-in-berlin.de
https://sigmaringer1.wordpress.com

Berlin, 09.08.2012

Betreff: BVV – Beschluss, Verhandlungen mit der Weiberwirtschaft e.G. aufzunehmen

Sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister Naumann,
sehr geehrter Herr Bezirksstadtrat Gröhler,
sehr geehrte Frau Bezirksstadträtin Jantzen,
sehr geehter Herr Bezirksstadtrat Schulte,
sehr geehrter Herr Bezirksstadtrat Engelmann,

sehr geehrte Frau Dr. Vandrey,
sehr geehrte Herr Wuttig,
sehr geehrte Frau Klose,
sehr geehrte Frau Böhm,
sehr geehrte Frau Cieschinger,
sehr geehrte Frau Behrendt,
sehr geehrte Frau von Wittig,
sehr geehrter Herr Schlosser,
sehr geehrter Herr Pabst,

sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben die Anregung des Fördervereins UCW e.V. aufgenommen und eine Befragung aller Unternehmerinnen und Verbände im Haus zum Thema Erhalt des UCW schriftlich durchgeführt. Es wurde abgefragt, ob sich die Mieterinnen künftig ein Unternehmerinnenzentrum auf der Basis eines Treuhandmodells (GSE gGmbH) wünschen oder ob neben diesem Treuhandmodell auch andere Alternativen, z.B. ein Genossenschaftsmodell, wie es die Weiberwirtschaft e.G. mit uns ermöglichen könnte, als Option geprüft werden sollen.

Das Ergebnis dieser erneuten Meinungsumfrage ist wie folgt:

Von 40 Mieterinnen im Haus haben 37 ihre Stimme abgegeben. Drei Mieterinnen konnten bislang nicht befragt werden. Von den 37 Mieterinnen haben sich zwei Mieterinnen enthalten, vier Mieterinnen haben ausschließlich für das Treuhandmodell GSE gGmbH gestimmt. 31 Mieterinnen haben dafür gestimmt, dass auch Alternativen zur GSE gGmbH, insbesondere das Angebot der Weiberwirtschaft e.G., geprüft werden.

Dies bedeutet, dass sich 76% der Unternehmerinnen und Verbände wünschen, dass alle Alternativen geprüft werden. Dieses Ergebnis bestätigt das Stimmungsbild, dass wir anlässlich unserer Mieterinnenversammlung am 26.03.2012 bereits erstellt haben.

In Kenntnis des 1. Zwischenberichts vom 03.07.2012 zur Drucksache Nr. 1849/3, 0165/4, in dem nur das Treuhandmodell mit der GSE gGmbH behandelt wird, erachten wir es für notwendig, dass die Weiberwirtschaft e.G. in die Verhandlungen mit dem Ziel, das UCW dauerhaft im Bezirk zu erhalten, mit eingebunden wird.

Wir bitten Sie daher als unsere Vertreter/innen in der BVV, am Anschluss an den Prüfbeschluss vom 08.03.2012 (Drucksache 0165/4), einen erneuten Beschluss zum UCW zu fassen:

Dieser Beschluss sollte beinhalten, dass das Bezirksamt Verhandlungen nicht ausschließlich mit der GSE gGmbH führt, sondern auch Verhandlungen mit der Weiberwirtschaft e.G. aufnimmt.

Mit freundlichen Grüßen
i.V. Judith Brandner

Rechtsanwältin
Fachanwältin für Sozialrecht
Sigmaringer Str. 1
10713 Berlin

Die Website dient uns auch dazu, unsere Standpunkte zu dokumentieren.  Hier ein Brief, den ich heute an unsere Mieterinnen gemailt habe.

Liebe Unternehmerinnen, liebe Künstler, liebe Künstlerinnen,

ich bin die Mieterinnenvertreterin im UCW und möchte mit diesem Brief

  1. uns alle auf grob einen Stand bringen.
  2. meine persönliche Sicht der Dinge darstellen und
  3. euch anschließen bitten, mir ein Feedback zu geben, was eure Meinung ist.

Das Feedback brauchen wir alle – Förderverein und die Mieterinnen, die sich gerade ehrenamtlich für das Haus engagieren.

Mein Anlass für diesen Brief: Eigentlich gibt es nicht viel Neues von „Außen“ – es ist Urlaubszeit gewesen, auch in der BVV. Nur knirscht es gerade UCW-intern im Getriebe, denn es gibt Uneinigkeit darüber, wie wir strategisch weiter vorgehen sollen. Das verunsichert verständlicherweise alle, die sich für das Haus solidarisch einsetzen, weil sie nicht wissen, wie sie uns weiter unterstützen können.

Und das ist leider sehr schädlich für das ganze Projekt „Rettung Sigmaringer Str.1“! Da sind sich, denke ich, alle einig.

Es gibt zwei Meinungen zum weiteren Vorgehen.

A. Der Wunsch der Fördervereins ist es, sich ganz auf das Modell des Treuhandvertrages zu konzentrieren. Und das Modell Genossenschaft nicht prüfen zu lassen.

B. Unser Wunsch ist es: Ich nenne das mal „Faktencheck möglich machen“. Der Wunsch vieler Mieterinnen (inklusive mir) ist es, das Modell der Genossenschaft in Zusammenarbeit mit der Weiberwirtschaft zunächst genauer anschauen zu können, denn hier bieten sich für uns so viele Chancen, die wir gerne ausloten würden. Hier geht es zunächst nur um den Wunsch, ein Modell genauer prüfen zu können! Wir schließen das andere Modell damit noch nicht aus.

Aber: Dazu brauchen wir noch Informationen vom Bezirk. Diese bekommen wir zur Zeit nicht, haben aber alle BVV-Fraktionen angeschrieben und auch vom Gender-Ausschuss positives Feedback. Hier gibt es jetzt erste Termine und Gespräche, die wir (ich und einige, die sich für das Haus engagieren) wahrnehmen möchten, um auszuloten, ob das Modell tragbar ist. Ich glaube, dass wir hier sehr viel angestoßen haben – es bewegt sich richtig was! Es wäre schade, wenn wir das nicht nutzen würden.

Die Weiberwirtschaft e.G. mit über 1.700 Frauen ist Trägerin des größten Gründerinnenzentrum Europas. Zuletzt im Jahr 2011 mit dem Innovationspreis der SPD ausgezeichnet. Wir sind deshalb davon überzeugt, dass ein fachliches Urteil der Weiberwirtschaft e.G. besonders in den Bereichen Wirtschaftlichkeitsprüfung, ökologische Sanierung und Nutzungskonzept Gewicht hat. Die Bewertung durch die Weiberwirtschaft e.G. ist auch im Hinblick auf alternative Modelle aussagekräftig. Es ist eine einmalige Chance, das kommunalpolitische initiierte Projekt professionell im Bezirk zu institutionalisieren.

Das Modell „Weiberwirtschaft“ ist für unser Haus politisch und strategisch sehr interessant. Denn es geht auch auf der Landesebene immer mehr Stimmen, die Landeseigentum sinnvoll einsetzen möchten – und wo es Sinn macht, in die Hände von Projekten zu geben. Wir könnten hier auf einer ganz anderen politischen Ebene ansetzen und agieren. Das macht aber natürlich nur Sinn, wenn wir uns einig sind, dass das ein vielversprechendes Modell ist.

Was für alle, die sich hier engagieren, klar ist: Wir sind wie ihr Mieterinnen im Haus! Wir können (und müssen) als Freiberufler und Unternehmerinnen rechnen – und wir werden kein Modell unterstützen, in dem wir sehr viel mehr Bruttomiete zahlen müssten. Und natürlich können wir auch kein Modell unterstützen, bei dem wir irgendeine Art von Eigenkapital tragen müssten.

Das sind zwei Gegenargumente, die mir in den letzten Tagen seitens des Fördervereins genannt wurden. Ich kann nachvollziehen, dass es diese Sorge gibt. Nur: Wir sind ja als Mieterinnen selbst betroffen und werden definitiv kein Modell unterstützen, dass uns die wirtschaftliche Grundlage entzieht. Einige unserer Mieterinnen (Vera Kätsch, Gerda Plate zum Beispiel) waren selbst lange Jahre Mieterinnen in der Weiberwirtschaft, und haben sich dort auch ehrenamtlich engagiert. Wir wissen also, was wir tun.

Ob und wie das Genossenschaftsmodell für unser Haus realistisch umgesetzt werden könnte, wissen wir jedoch jetzt noch nicht. Weil uns zentrale Informationen fehlen (zum Beispiel über den Sanierungsbedarf des Hauses). Aber ich finde, die Idee ist so toll, dass sie es wert geprüft zu werden!

Wie seht ihr das? Wir gehen die nächste Zeit mit einer Unterschriftenliste herum, um ein Meinungsbild von euch zu bekommen.

Denn eins ist auch klar: Wir arbeiten nicht an einer Sache, die die Mehrheit im Haus eventuell nicht will! Wir setzen uns für unsere gemeinsamen Interessen ein, denn wir sind ebenfalls Mieterinnen hier und ganz unmittelbar von allen Veränderungen so betroffen, wie ihr auch.

2003 hätte niemand gedacht, dass wir 2012 ein so erfolgreiches Haus haben werden. Atelierhaus und UCW sind in der ganzen Stadt bekannt. Viele Frauen der  Weiberwirtschaft engagieren sich gerade ehrenamtlich für unsere Sache und sind bereit, auszurechnen und mit uns allen zu klären, was hier machbar ist. Alleine könnten wir natürlich NIE eine Genossenschaft aufziehen. Aber mit einer starken, erfahrenen Partnerin, die das seit 20 Jahren sehr erfolgreich macht, ist das anders. Die Weiberwirtschaft bietet heute schon Platz für Unternehmerinnen, Gründerinnen, Ateliers – sie hat eine hohe Kompetenz in Finanzierungsfragen, ist Eigentümerin ihres Hauses und eng vernetzt in die Politik – auf Senatsebene, aber auch bundesweit.

Was stimmt ist: Das Treuhandmodell ist rein vertraglich zwischen GSE (unserer Vermieterin) und dem Bezirksamt schon weiter ausgearbeitet. Allerdings wird der Vertrag zum Treuhandmodell seitens der Bezirksverwaltung schon seit md. 2 Jahren nicht weiter gebracht. Mein Eindruck aus verschiedenen Gesprächen und auch aus den Beiratssitzungen für das UCW, in denen ich ja für euch Mieterinnen sitze: Das klemmt, weil es politische Akteure gibt, die das Treuhandmodell nicht wollen. Das zeigt sich ja auch daran, dass trotz dieser Verhandlungen das Haus auf einmal auf der Verkaufsliste stand. Deshalb ist mein Wunsch, nicht allein über die GSE als Treuhänder nachzudenken, sondern eine sehr interessante und aus meiner Sicht vielversprechende  Alternative ins Spiel zu bringen.

Diese Alternative hat einen weiteren Vorteil: Sollte das Modell umgesetzt werden können, haben wir 100% die Kontrolle. Und sind unabhängig von politischen Entscheidungen, die sich alle paar Jahre ändern können. Wir hätten Planbarkeit und die Möglichkeit, hier wirklich etwas zu gestalten.

Meine Bitte: Gebt uns alle ein Feedback, was eure Meinung ist! Das heißt: Schreibt an info@unternehmerinnen-in-berlin.de und unterzeichnet die Unterschriftenliste, die bald im Haus rumgehen wird.

Eure Barbara Brecht-Hadraschek – Mieterinnenvertreterin UCW

1. August 2012