Gestern Abend habe ich noch für Renate Herrmans im expertinnen-web-Magazin ein Interview gegeben. Danke, Renate für die Möglichkeit, unsere Sache bekannter zu machen! Ich habe gerade heute wieder im Zuge einiger Gespräche gemerkt, dass wir noch lange nicht gewonnen haben. Wir müssen zeigen, wie wichtig uns der Erhalt dieses Standortes mit seinen beiden Projekten ist.

Hier geht’s zum Interview!

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Der Anteil der älteren Mitbürger an der Gesamtbevölkerung nimmt stetig zu. Heute ist bereits jeder 4. Bundesbürger älter als 60 Jahre, im Jahre 2030 wird es jeder Dritte sein. Das kann für viele Menschen heißen, dass sie im hohen Alter auf Hilfe anderer angewiesen sind.

Der Staat reagierte und eine im Jahre 1992 in Kraft getretene Gesetzesreform bewirkte unter anderem, dass Betreuung als Rechtsfürsorge zum Wohl des betroffenen Menschen an die Stelle von Entmündigung und Vormundschaft für Erwachsene tritt.

Seit 2008 bin ich als Berufsbetreuerin tätig und vom Vormundschaftsgericht als Betreuerin bestellt.

Das Unternehmerinnenzentrum „UCW“ ermöglichte es mir, zur Ausübung meiner beruflichen Tätigkeit ein Büro in einer Bürogemeinschaft zu beziehen. Dies ist wichtig, denn in meinem Berufsalltag kann es zu Kontakten mit in ihrem Verhalten unberechenbaren Mitmenschen kommen. Das „UCW“ bietet mir einen sicheren Arbeitsplatz.

Ein Berufsbetreuer ist nötig, wenn Menschen aufgrund körperlicher, geistiger oder psychischer Defizite nicht mehr in der Lage sind, sich gegen Übergriffe verschiedener Art zu wehren. Dies kann eine unzureichende Versorgungs- und Pflegedienstleistung sein oder etwa finanzielle Übervorteilung durch Dritte, darunter auch Familienangehörige. Dies bedeutet für die Betreuerin, dass sie sich in vielen Fachbereichen wie medizinische Versorgung, Versicherungen, Finanzen, Recht etc. auskennen muss. Im Unternehmerinnenzentrum „UCW“ finde ich diese Fachrichtungen unter einem Dach vereint. Dies ist ein unschätzbarem Vorteil für mich und zeigt ganz deutlich, dass Netzwerke für meinen Beruf ein Muss sind. Ein solches Netzwerk hat sich im „UCW“ über Jahre hinweg etabliert.

Das „UCW“ hat einen optimalen Standort mit idealen Verkehrsanbindungen und guter Infrastruktur. Das Gebäude selbst bietet behindertengerechten Zugang, was besonders für viele meiner Kunden wichtig ist. Ich plädiere für den Erhalt des Unternehmerinnenzentrums.

Brigitte Grottendieck, Berufsbetreuerin

Cornelia BensonIch bin seit der ersten Woche im September 2005 im UCW und habe die Entwicklung des Hauses von einer Baustelle in den ersten 6 Monaten zu einem florierenden Unternehmerinnen- und Gründerinnenzentrum mit viel Interesse verfolgt. Im Laufe der Jahre hat es eine Reihe von Mieterinnenwechseln gegeben, nicht zuletzt deshalb, weil einige der Unternehmerinnen in ihrer Zeit hier so erfolgreich ihren Kundenstamm ausbauen konnten, dass sie größere Räume benötigten oder sich mit anderen Frauen aus dem Haus zusammengeschlossen haben, um sich in ihren Geschäften zu ergänzen.

Als Übersetzerin empfange ich immer wieder Kunden in mein Büro, die Urkunden zur Übersetzung abgeben. Hier kann ich ihnen in einem professionellen Umfeld begegnen statt in einer Ecke meiner Wohnung. Viele ermächtigte Kolleginnen und Kollegen, die Urkunden übersetzen und zu Hause arbeiten, fühlen sich äußerst unwohl bei dem Gedanken, Kunden in ihre Wohnung kommen zu lassen. Dieser Notwendigkeit schiebt ein Büro in einem Umfeld wie dem UCW einen Riegel vor – und das ist etwas, worum mich viele meiner Kolleginnen und Kollegen beneiden.

Für mich haben sich im Laufe der Jahre außerdem diverse Geschäftsbeziehungen im Haus ergeben, die ohne das UCW nicht entstanden wären. Man begegnet sich im Haus oder bei Mieterinnenversammlungen, tauscht sich aus und erfährt so, was andere Frauen im Haus tun. Auf diese Weise haben sich im Laufe der Zeit diverse Synergien und Netzwerke entwickelt. Aber auch für meine externen Aufträge ist mein Büro im UCW überaus hilfreich, denn hier sind Expertinnen aus zahlreichen Branchen unter einem Dach versammelt. So kann ich mir bei Recherchefragen zu meinen diversen Übersetzungsprojekten oder bei der Vorbereitung auf Dolmetscheinsätzen die im Haus vorhandene Expertise zunutze machen. Es hat viele Jahre gedauert, das Haus zu dem zu machen, was es ist – ein florierendes, gut vernetztes Zentrum mit einer Mischung aus etablierten Unternehmerinnen und Gründerinnen verschiedener Altersgruppen und ethnischer Herkunft. Ein Verkauf des UCW wäre ein großer Verlust, nicht nur für uns Unternehmerinnen, sondern auch für all jene, die es im Laufe der Jahre kennen und schätzen gelernt haben.

Cornelia Benson, Übersetzerin & Dolmetscherin

Ein Kommentar von Monica Schümer-Strucksberg, Vorsitzende des Fördervereins des UCW

Ein Verkauf des Grundstücks und Hauses Sigmaringer Str. 1 ist unvertretbar und bringt mehr Nachteile als Vorteile für den Bezirk. Das frauenpolitische Projekt Unternehmerinnen-zentrum, das Kulturprojekt Atelierhaus und die Zentralbibliothek Dietrich Bonhoeffer-Bibliothek gingen dem Bezirk verloren.

Die Einnahmen aus einem Grundstücksverkauf fließen nur bis zu 14 % des Erlöses in den Bezirkshaushalt – einmalig in irgendeinem der nachfolgenden Haushaltsjahre.
Ausgaben fallen im Zusammenhang mit dem Unternehmerinnenzentrum nicht an. Das Atelierhaus wird vonSenKult gefördert. Im Gegenteil hat der treuhänderische Verwalter aus den Mieteinnahmen den Sanierungsstau des Gebäudes durch eine dringende Fassadensanierung reduziert; weitere Maßnahmen sind geplant und für Förderprogramme vorgesehen. Damit wurde und wird der Wert des Gebäudes ohne Kosten für den Bezirk gesteigert.

Die Immobilie befindet sich im Finanzvermögen, geht also nicht in den Median der Budgetkosten ein.
Die Ausgaben des Bezirks im Zusammenhang mit dem gesamten Haus betragen derzeit 84.000 € für die Dietrich Bonhoeffer-Bibliothek als ein reduzierter Betriebskostenanteil; auch dieser Teil des Hauses wurde in die Fassadensanierung einbezogen ohne Kosten für den Bezirk. Für die folgenden Haushaltsjahre wird sich der Betriebskostenanteil weiter reduzieren, da die Mieteinnahmen aus dem Unternehmerinnenzentrum kontinuierlich steigen. Das gesamte Haus trägt die Bibliothek mit. Eine Einsparung ist nur zu erzielen, wenn die Bibliothek als Standort ersatzlos gestrichen wird.
Bei Beibehaltung der Bibliothek und Übergabe des Hauses an einen Treuhänder (Vertragsverhandlungen des Bezirks sind weit gediehen) wird sich der Betriebskostenanteil der Bibliothek voraussichtlich maximal auf bis zu 150.000 erhöhen ; aber nicht mehr im Haushaltsjahr 2012. Die Übertragung wird nicht vor 2013 durchgeführt werden können, da SenFin und AH zu beschließen haben .

Mit Unterstützung des Bezirks sind nicht nur erheblich Projekt-Fördermittel des Landes und der EU, sondern auch Lottomittel in die Hausprojekte geflossen, bzw. fließen weiterhin.
Die Lottomittel für den Bau der Informationszentrale UCW mit Arbeitsplätzen für benachteiligte Menschen sind mit Wissen des Bezirks an eine 25 jährige Nutzung gebunden. Es ist zu erwarten, dass der Bezirk als Veranlasser der Nutzungsaufhebung die Fördermittel ablösen muss (96.000 € minus jährliche Nutzung 4%). Die Entstehung eines weiteren Förder-Projekts „Ausbildungszentrum“ wird unterbrochen.

Ein Verkauf des Hauses mit gleichzeitiger Sicherung der bisherigen Nutzungen erscheint unwahrscheinlich. Der Standort ist für einen Verkauf nur interessant, wenn zügig abgerissen und neu gebaut wird, damit Gewinne erzielt werden können. Weder das frauenpolitische Projekt UCW noch die Ateliers oder die Bibliothek werden erhalten werden können.
Somit werden durch einen Verkauf rund 100 Arbeitsplätze an diesem Standort vernichtet, ein Teil der Frauenarbeitsplätze davon endgültig. Ein frauen- und wirtschaftspolitisches Projekt mit großer Ausstrahlungskraft in Berlin, ein Modell, das Nachfragen aus der Bundesrepublik und dem Ausland auslöst, geht dem Bezirk und dem Land verloren. Dringend benötigte geförderte Ateliers werden dem Markt entzogen. Eine der zwei bezirklichen Zentralbibliotheken verliert einen kostengünstigen Standort.

27.2.2012 Schümer-Strucksberg

Wir haben jetzt ein Formular für die Unterschriftenliste UCW-1 erstellt und brauchen noch Helfer, die Unterschriften sammeln für den Erhalt des Hauses!

Die Zeit drängt. Kommenden Montag, den 5.3. um 17h00, wollen wir die gesammelten Unterschriftenlisten den eingeladenen Parlamentarieren aus der BVV überreichen. Denn am 8.3. wird ja schon in der BVV über den Verkauf des Hauses entschieden.

Deshalb brauchen wir eure Mithilfe!

Bitte ladet euch das PDF herunter, druckt die Liste aus und sammelt Unterschriften für das Haus. Erste Argumente und Infos findet ihr hier (Erste Hintergrundinfos) und hier. Bis Montag brauchen wir die Listen schon hier! Das heißt: Wer auf dem Postweg die Listen zusenden möchte, muss das spätestens am Samstag, besser noch Freitag tun.

Achja: Die Adresse habe ich vergessen:-): Schickt die Listen an:

Judith Brander
Sigmaringer Str.1
10713 Berlin

Sie sammelt die Listen!

Wir werden natürlich die Geschäfte, Cafés und Restaurants der direkten Nachbarschaft abklappern – toll wären Unterschriften von vielen weiteren Menschen: Berliner/innen, Künstler/innen, aber wieso auch nicht von Menschen, die gegen den Ausverkauf von kommunalen Eigentum sind, die für kreative Projekte sind, die die Innenstädte lebendig und kreativ machen.

Hier nochmal die Unterschriftenliste UCW-1.

Gestern haben wir uns – Unternehmerinen und Künstler/innen –  auf einer außerordentlichen Mieterinnenversammlung ausgetauscht, Informationen auf einen Stand gebracht und Ideen entwickelt, wie wir den Verkauf des Hauses verhindern können. Noch heute wollen wir zum Beispiel anfangen Unterschriften im Kiez zu sammeln. Für den Erhalt des Hauses in der Sigmaringer Str. 1. Viel Zeit haben wir nicht. Am Montag werden wir außerdem die Bezirksverordneten einladen in unser Haus. Viele kennen die Projekte hier noch gar nicht, weil sie zum Beispiel gerade erst in die BVV gewählt wurden. Wie viele unterschiedliche Menschen von dieser Entscheidung betroffen wären, ist glaube ich auch noch nicht wirklich im Bewusstsein aller angekommen. Wir haben gestern auch einige interessante Informationen zum Status der Kosten des Hauses erfahren. Wir sind tatsächlich 100% kostenneutral für den Bezirk (ausgenommen die Bibliothek, die 25% des Hauses ausmacht). Ich versuche so schnell wie möglich für diese Information belegbare Fakten bzw. Quellen zu erhalten. Über den Schätzwert des Hauses kursieren auch die unterschiedlichsten Gerüchte. Fakt ist aber auch, dass der Bezirk selbst nur zu einem kleinen Teil von dem Verlaufserlös profitieren würde.

Kathrin Haak2003 gründete ich die Agentur BerlinErleben, die das Vermitteln von touristischen Leistungen zum Geschäftsgegenstand hat. Das Unternehmen ist eine Art privat geführte Touristeninformation für Berlinbesucher, die individuelle Berlinprogramme wünschen und von dem Wissen der Agentur profitieren können.

Der Staat förderte meinen Schritt in die Selbständigkeit durch die Zahlung eines Gründungszuschusses. Die KfW – Bank gab Unterstützung in Form eines Existenzgründerdarlehens.

BerlinErleben ist ein Einzelunternehmen. Ich bin Chefin und Angestellte in einer Person und zähle damit zu einer stetig wachsenden Gruppe am Arbeitsmarkt. Laut Aussage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung arbeiten heute mehr als die Hälfte der Unternehmer allein. Und besonders Frauen folgen diesem Trend. Doch dieser Wandel auf dem Arbeitsmarkt ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit noch nicht angekommen. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf erkannte diesen Trend rechtzeitig und bot mit dem Unternehmerinnenzentrum „UCW“ Raum für derartige berufliche Vorhaben.

Für das Solo-Unternehmen BerlinErleben sind etablierte Zentren wie das „UCW“ extrem gewinnbringend. Ein Büro im Unternehmerinnenzentrum zeugt – anders als ein Home Office – von Professionalität, bietet Raum für Kundengespräche und lässt mich in Kontakt und gedanklichen Austausch mit anderen Selbständigen treten. Diese Voraussetzungen haben dazu geführt, dass BerlinErleben heute noch auf einem Markt mit hohem Konkurrenzdruck existieren kann.

Viele gute Gründe, um für das Fortbestehen von Unternehmerzentren im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zu votieren!

Kathrin Haak, Reiseverkehrskauffrau